Philipp Hohmann

Ich bin Philipp Hohmann und seit Oktober 2019 Alumni der Szenischen Forschung. Vor, während und auch nach diesem Studium interessiere ich mich für eine Idee von Szenischer Forschung, die weniger daran interessiert ist die Pole Theorie und Praxis gleichberechtigt, aber distinkt denkt, sondern eher für eine Durchdringung der beiden in denen durchaus auch das was gemeinhin Theorie genannt wird als Praxis zu verstehen ist, ebenso wie die Praxis Theorie. Ich bin seit 2011 Teil des postinklusiven Performance Kollektivs dorisdean (www.dorisdean.de) mit dem wir Bühnen-Performances, aber auch interaktive oder ortsspezifische Arbeiten realisieren.

Ich habe Theaterwissenschaft, Gender Studies, Wirtschaftswissenschaft und Szenische Forschung an der Ruhr-Universität Bochum studiert und bin seit dem Ende meines Studiums wissenschaftlicher Mitarbeiter am Graduiertenkolleg „Das Dokumentarische. Exzess und Entzug“, ebenfalls an der RUB. Dort arbeite ich an einer Dissertation zu queerer Kunst und Kollektivität unter

besonderer Berücksichtigung der medialen Konstellationen zwischen Dokumentation und Performance. Eine wichtige Rolle werden dabei Arbeiten von Antonia Baehr und dem Duo Pauline Boudry und Renate Lorenz spielen. Ich interessiere mich also sehr für queer theory, queere Medien- und Performance Kunst. Wenn meine Promotion auch keine Szenische Forschung im engeren Sinne darstellt so bleibt die Frage nach einem Wissen der Künste doch nach wie vor von Bedeutung für mich. Gerade queere Kritik und  Theorie stellt immer wieder die Frage danach wie sich welches Wissen formiert, wer darüber verfügt, wer oder was ein Subjekt (des Wissens/der Künste) sein kann, wer oder was in Archive und Historiographie eingeht, was als legitimes Wissen gelten kann. Hier gilt es immer wieder enge Verbindungen zu Diskursen rund um das Wissen der Künste, der Szenischen Forschung zu eröffnen. Ebenso erhoffe ich mir, dass die Szenische Forschung in Lehre und Praxis der Studierenden queere Praxen und Theorien als Gegenstand und Methode für sich entdecken kann.

Arbeiten und Projekte

Seit 2012: Mitglied des Performancekollektivs dorisdean.

Informationen zu Projekten und Kontakt: www.dorisdean.de

2014-2017: Organisation & Durchführung: Zeitzeug_ Festival

April 2016: ||: Wir fangen nochmal an :|| - Feldstudie mit Chor

„Ich habe die Frage nicht verstanden.
– Ja dann, dir alles Gute.“

Heute bleibt die Gewissheit, dass weder zur Furcht noch zur Hoffnung Anlass besteht. Nur dazu, nochmal anzufangen. Ein Chor aus 20 Studierenden des Instituts für Theaterwissenschaft Bochum beschäftigt sich mit der Krisenhaftigkeit von Kommunikation und fragt nach Zuständen von Gemeinschaft. Feldpostbriefe aus vergangenen Kriegen finden Widerhall in den vorgefertigten Statusmeldungen zeitgenössischer Messenger-Apps. Mit Hilfe von Liedern, Ritualen und Texten wird nicht nur das diskursive Feld beackert und umgewälzt.

Von und mit: Julia Balzert, Luzie Barzen, Sina Corsel, Jelka Habert, Yousef Hasan, Ulrike Haß, Philipp Hohmann, Laron Janus, David Kilinc, Anna-Lena Klapdor, Gotthard Lange, Anna Mann, Katarína Marková, Natalie Mol, Georg Nocke, Marie Roth, Lisa Schneider, Sophia Steneberg, Valerie Wehrens, Anna-Lena Werner, Sarah Wessels

Oktober 2017: Advanced Clapping

Abschluss Projekt von Constantin Schädle (da gibt es ja vielleicht auch einen Link zu, zu Connis Projekt?)

Januar 2018: Szenisches Projekt I: Menschen / Tiere

Fotos: Robin Junicke

Juni 2018- Juni 2020: Impulse Ultras

Auf Initiative einiger Szenischer Forscher*innen wurden im Sommer 2018 die „Impulse Ultras“ als Begleit- und Vermittlungskonzept zum Impulse Theater Festival ins Leben gerufen. Als eines der wichtigsten Festivals des Freien Theaters nimmt das Impulse Festival mit seiner dreißigjährigen Geschichte eine wichtige Position in NRW aber auch in der Entwicklung der „Freien Szene“ ein. Die „Impulse Ultras“ haben für den Showcase der Ausgaben 2018 und 2019 verschiedene Formate entwickelt, die auf die jeweilige räumliche Situierung und die Programmierung Bezug nehmen. Ob Stammtisch, Marathon oder Grill-Einsatz – Ziel war es immer Menschen zusammenzubringen, gemeinsam über das Gesehene, aber auch über die Metastruktur Festival oder die Freie Theater Szene in Austausch zu kommen. Da das Impulse-Festival 2020 wegen der Corona-Pandemie ausfallen musste konnten leider auch die „Impulse-Ultras 2020“ nicht stattfinden.

Impulse Ultras 2018: Philipp Hohmann Viviane Lennert, Franziska Schneeberger, Anna-Lena Weckesser
Impulse Ultras 2019: Philipp Hohmann, Viviane Lennert, Katarína Marková Franziska Schneeberger
Impulse Ultras 2020: Philipp Hohmann, Viviane Lennert, Katarína Marková Franziska Schneeberger

Foto: Impulse Ultras

Design: Vivianne Lennert

November 2018: Austauschprogramm Blízkost i vzdálenos / Nähe und Distanz

Szenischen Forschung Bochum / Performalita Prag

Mai 2019: Künstler beim auftakt festival für szenische texte, Erarbeitung des Kurzstücks/Lecture-Performace: Malaga Becher. von Jona Spreter.

Seit 2017 findet das auftakt festival für szenische texte jährlich statt. An vier Tagen kommen dabei Künstler*innen und Autor*innen in Köln zusammen, um Texte in szenische Formate zu überführen. Das auftakt festival lebt von den Begegnungen und der Vernetzung aller Beteiligten Künstler*innen und Autor*innen.

Die Lecture-Performance Malaga Becher wurde als Beitrag von Land in Sicht zum ersten Unabhängigen Lesereihen Festival (ULF) im September 2019 in Nürnberg eingeladen.
Text: Jona Spreter, Performance: Selina Girschweiler, Philipp Hohmann, Johanna Pigors, Alina Reissmann

Fotos: Silviu Guiman

Juni/Juli 2019: Initiation & Organisation: Szenische Forschung: Trampolin

Abschlussprojekt: Versuche über das Zittern.

Premiere der Performance: 26.07.2019, Kunsthaus Essen
Weitere Aufführungen: 27.07.2019, Kunsthaus Essen

Mein Abschlussprojekt ging aus einer längeren Auseinandersetzung mit dem Zustand, dem Begriff und der eigenen Wahrnehmung des (körperlichen) Zitterns hervor.

Im gesamten Projekt geht es dabei immer wieder um verschiedene Verschränkungen, sowohl auf inhaltlich-ästhetischer Ebene, etwa zwischen der Wahrnehmung eine Körper-Praxis durch den Performer und die Lesbarkeit dessen Performance, bzw. deren Implikationen, auf Ebene meiner eigenen wissenschaftlich-künstlerischen Tätigkeit zwischen Performance-Praxis und dem reflektierenden Schreiben, aber auch zwischen verschiedenen theoretischen Positionen, die zur Reflexion/Diffraktion der Performance und in ihrer Erarbeitung herangezogen werden. Es handelt sich also um ein Projekt, das nicht ’nur‘ seinen Gegenstand, sondern auch seine Methode und Form zu erforschen sucht. Persönliche Erfahrungen und Wahrnehmungen evozieren eine körperlich-choreographische Praxis des Zitterns, die gleichberechtigt mit wissenschaftstheoretischen Überlegungen über die Verfasstheit von Wissen zwischen Kunst und Wissenschaft sowie mit einer szenisch-technischen Anordnung zusammentreffen.

‚Ergebnis‘ des Projektes war eine 40-50 minütige Performance sowie eine begleitende Reflexion, welche die Entstehung der Performance mit theoretischen Arbeiten von Karen Barad, Hans-Jörg Rheinberger und Donna Haraway perspektiviert. Es wird dabei versucht Performance und Reflexion gleichberechtigt zu denken, als zwei Ebenen eines Projektes, die sich wechselseitig aufeinander beziehen und sich durchdringen. Das Verfassen der Reflexion ist ebenso eine Forschungsarbeit wie die Konzeption der Performance oder ihre Ausführung. Notwendigerweise sind alle Bestandteile prozessual zu denken und die Performance verändert sich mit jeder Aufführung als Teil eines fortlaufenden Forschungsvorhabens.

 

Fotos: Robin Junicke

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