POSITIONEN SZENISCHER FORSCHUNG VIII: Sebastian Blasius

14.11.2019 / 18.15Uhr / GB 5-160

Rollen des Zuschauers

In meiner Lecture werde ich versuchen, meine künstlerische Arbeit der letzten 10 Jahre zu rekapitulieren: Am Anfang standen jene Rekostruktions- und Überschreibungsexperimente früherer ikonographischer Inszenierungen, die versuchten, aus der Neuproduktion von Bildern auszutreten und stattdessen den Diskurs der Appropriation Art für das Theater fruchtbar zu machen. 2014 dann ein vermeintlicher Bruch: In installativen Räumen, die die Trennung zwischen Darsteller- und Zuschauer*innen aufhoben, schienen sich Möglichkeiten zu Partizipation oder kollektivem Agieren anzubieten, andererseits löste sich die distanzierte Betrachteransprache nie gänzlich auf. Wie also verhält man sich, wie schaut man zu? Die Inszenierung eines Dissenses für die Zuschauer*innen kann als Leitmotiv meiner Arbeiten der letzten Jahre gelten, in denen Formate für eine/n einzelne/n Zuschauer*in eine besondere Rolle einnehmen – darunter die installative Performance VANITAS, in der der Pulsschlag der/s einzelnen Zuschauer*in zum Taktgeber für das Agieren von 13 Performer*innen wird. Vielleicht ist es insgeheim die Inszenierung der/s Zuschauer*in und seines Souveränitätsverlusts, um den es in meinen neueren Arbeiten geht.  

Sebastian Blasius arbeitet als Regisseur, Choreograph und Theaterwissenschaftler. Leitmotivisch befasst er sich Themen wie Identität, kulturellem Erbe, dem Verhältnis zwischen Publikum und Ausführenden und dem Handlungscharakter von Kunst. Seine Arbeit begreift er beständig als Forschung, in der verschiedene künstlerische, theoretische und politische Strategien in einen Dialog miteinander gebracht werden. Er unterrichtet an Universitäten und Hochschulen in den Bereichen Theorie sowie künstlerischer Praxis.

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