Katarína Marková geboren in Martin (Slowakei), absolvierte 2014 den BA Theaterwissenschaft an der Masaryk-Universität in Brünn (Tschechische Republik) und 2019 den MA Szenische Forschung. Ihre künstlerische Arbeit oszilliert zwischen ortsspezifischer Kunst, Installationen und Performance Art.

 

Den philosophischen Boden für ihre künstlerische Praxis bilden Feminismus und New Materialism. Ihre künstlerische Forschung konzentriert sich auf folgende Fragen: Wie definieren Machtstrukturen und Leistungssteuerungsinstrumente das, was beleuchtet wird und repräsentativ ist und das, was im Dunkeln bleibt?
Primärmaterialien ihrer Projekte sind lokalspezifische Umgebungen und ihr (trainierter) Körper, die miteinander in Intraaktionen treten. ie arbeitet allein und in Ko-kreationen mit anderen menschlichen und nicht-menschlichen Körpern, in temporären Kollektiven. Im Jahr 2019/20 war sie ein Teil IMPULSE ULTRAS im Rahmen von IMPULSE THEATER FESTIVAL mit Franziska Schneeberger, Viviane Lennert und Philipp Hohmann.

Sie ist ein Drittel der Gruppe MFK BOCHUM, die sich 2018 im Studiengang gefunden hat. Seither prob(ier)en sie an einer gemeinsamen Bewegungssprache im Sinne feministischer, lustprinzipieller Verschwendungsformen und sind mit Christoph-Schlingensief-Fellowship im Jahr 2020/21 unterstützt worden. Parallel mit ihrer künstlerischen Praxis arbeitet sie in der Form des Workshops mit Kindern, Jugendlichen und alten Erwachsenen im Bereich Theater und Tanz und entwickelt

Projekte

RAUM 1-5

durational performance im Rahmen der Gruppenausstellung „Anwesend“, Folkwang Museum, Essen (2017) Konzept//Performance

Dieses Projekt war eine Fortsetzung von den Gedanken aus dem Szenischen Projekt 1 – CHAOS. Fünf Tagen circa neunzig Minuten performte ich in einer hoch institutionalisierten Galerie der modernen Kunst. Ich bewegte mich langsam auf dem Podest. Die fließende Bewegung wurde durch das Festhalten in einer Position unterbrochen. In diesen Positionen habe ich oft Statuen reproduziert, die im Museum selbst platziert wurden. Ich beschäftigte mich mit dem traditionellen Skulpturenmaterial: Ton, welcher ich auf meinen halbnackten Körper aufgetragen habe. Er trocknete aus, fiel herunter, veränderte die Oberfläche meines Körpers und des Sockels. Wie reagiert der Ton auf meinen Körper und wie reagiert mein Körper darauf? Ich habe erforscht, wie der Sockel für die Ausstellung von Kunstwerken verwendet wird und wie die Wahrnehmung der Besucher eines weiblichen halbnackten Körpers durch diese klassische Kunstinstitution weitergegeben/beeinflusst wird.

Fotos: Reinicke

Mi casa es su casa/ Mein Haus ist dein Haus/ Môj dom je tvoj dom

performative Installation im Rahmen des Zeitzeug Festivals Bochum (2017) Konzeptentwicklerin//Performerin in Zusammenarbeit mit Paula Stöckmann

Reine und unbedingte Gastfreundschaft, die Gastfreundschaft selbst, öffnet sich, sie ist von vorneherein offen für wen auch immer, der weder erwartet noch eingeladen ist, für jeden, der als absolut fremder Besucher kommt, der ankommt und nicht identifizierbar und nicht vorhersehbar ist, alles andere als das.“ Jacques Derrida, Philosophie in Zeiten des Terrors (2001)

In der performativen Installation beschäftigten wir uns, ob der Satz: „Mein Haus ist dein Haus“ heute noch eine Bedeutung hat. Kann ich den Satz im Sinne der Aussagenlogik wortwörtlich nehmen und anwenden? Wird sich der Gast wie zu Hause fühlen oder wird er immer ein wenig fremd bleiben? Eine Wohnung wird wörtlich vergoldet, heilig gemacht und wertvoll. Gleichzeitig wird sie aber auch isoliert, abgeschirmt und abgedeckt. Aus einer Krisensituation entsteht ein glänzendes goldenes Bild. Wir versuchten eine perfekte gastfreundliche Situation zu schaffen.

Fotos: Katarína Marková

BIG TOE

Performance, Nová Cvernovka, Bratislava // Rottstr.5 Kunsthallen, Bochum (2018) kollaboratives Projekt mit Pouyesh Frozandeh, Franziska Schneeberger, Miloslav Juráni

BIG TOE wurde zur Residenzprogramm in der Slowakei in Divadlo Pôtoň eingeladen und zum Zeitzeug Festival 2018.

Wie G. Bataille in seinem berühmten Aufsatz Le gros orteil schrieb, war der Große Zeh ein Katalysator der Erektion und nach dieser Tatsache kann er irgendwie als die besondere Urform des Fortschritts wahrgenommen werden. Der große Zeh, der normalerweise in Schuhen oder Socken versteckt ist, wurde für uns zu einem Fraktal, in dem die Evolution und Kulturgeschichte des Menschen sowie Erotik, Fetisch, Prinzipien der Marktmechanismen beobachtet werden können. Wir haben seinen symbolischen Wert durch die Kulturpolitik des Körpers untersucht und wir konfrontierten die Besucher mit einem transformierenden Prozess des Menschen vom Homo Sapiens zum Homo Technicus.

BIG TOE ist eine mögliche Interpretation der „TOE“ – Theory Of Everything. Wir haben einen kritischen Wellness Studio und eine fantastische Forschung-LABOR-ART-ory gebaut. Die Kritik des westlichen Dualismus im Denken wurde zum Kern des Projekts, in dem wir die Machtkörperpolitik dekonstruierten.

Fotos: Ann-Katrin Pauly

ILLUMINATION LOOOCH (Abschlussprojekt)

performative Installation/ortsbezogene Performance, TOR 5 und Bochumer Westpark, April (2019) Konzept//Installation//Performerin

Begleiter*innen: Miloslav Juráni (Dramaturgie), Birk-André Hildebrandt (Lichtdesign), Marlene Ruther, Prof. Dr. Sven Lindholm

Ein Loch, eine Eingangstür in den Boden, ist die Essenz des Projektes geworden. Wo fängt ein Loch an und wo endet es? Aus diesem einen Loch wurden plötzlich ganze Räume, unterirdischen Höhlen, Schächte, Gängen, Tunnel, unterirdische Mülllager, Hallen, die in einer kompakte Dunkelheit verschwunden sind. Welche Form der Konfrontation kann mit dem Unsichtbaren entstehen? Und wie können diese Räume, die vor dem Auge in dunkle Unsichtbarkeit getaucht sind, überhaupt in Erscheinung treten? Wenn diese Räume nicht sichtbar sind, können die überhaupt (re-)präsentiert sein, in irgendeiner Form der Kunst, welche genau mit den Strukturen der Sichtbarkeit und Repräsentation operiert? Ruhrgebiet wurde und immer noch ist eine perfekte Gegend für die Beschäftigung für diese Fragen.

Fotos: Dirk Rose

REFLEXION ILLUMINATION

Soloperformatives Konzert, Kunsthaus Essen, Juli 2019, im Rahmen der TRAMPOLIN: Szenische Forschung.

Eine andere Form sich wieder mit dem Material aus dem Projekt ILLUMINATION LOOOCH sprachlich auseinanderzusetzen sowie mit dem Fakt, dass das Loch nach der Durchführung des Projektes ILLUMINATION LOOOCH zubetoniert wurde, weiterzudenken.

Fotos: Alexander Schneider und Stephan von Knobloch

ICH WAR HIER

Kunsthaus Essen Juli // HOT DOCK Project space, Bratislava Oktober (2020)

Performative Ausstellung von und mit Marlene Ruther, Franziska Schneeberger, Katarína Marková

ICH WAR HIER …auf ehemaligem Militärtrainingsgelände, auf milliardenalten und kilometerweit gereisten Findlingssteinen, in den Mikroebenen meiner alltäglichen Gegenden. Die Dokumente dieser Begegnungen von Körper und Oberfläche werden markiert, kopiert, übersetzt zur Karte, zum Punkt und
zur begehbaren Landschaft. Mit der Installation aus Video, Stoff, Text, Papier und anderen Datenträger*innen befragen wir die Verhältnisse von Fiktion und Information im Herstellen von Wissen.